Historie des Gebäudes

Wenn man sich etwas für die Umgebung interessiert, in der die eigene Therapie stattfindet, dann wird man sich unweigerlich mit der Geschichte dieses Gebäudes auseinander setzen wollen.

Dabei werden viele traurige Kapitel der Psychiatrie und Pädagogik gestreift werden.

Als die Überlegung anstand, diese Räume als Therapieräume zu nutzen, war unter anderem der Gedanke ausschlaggebend, diesen menschenverachtenden Geschehnissen etwas entgegen zu setzen.

Eine moderne Verhaltenstherapie zum Nutzen der Patienten, ohne Vorverurteilung und auf der Grundlage eines christlichen Menschenbildes soll hier angewandt werden.

Dabei soll zunächst ein Verständnis für den Patienten entstehen, und erst im zweiten Schritt soll es darum gehen, die vorhandene Störung zu erkennen.

Soweit möglich, wird sich zunächst ein umfassendes eigenes Bild erstellt und dann sollen auch Informationen von Außen berücksichtigt werden.

Konkret gesagt, ich schaue zunächst, was ich über mein Gegenüber erfahre und wie ich dessen Störung einordnen kann und lese erst danach Vorberichte etc.

Dies soll dem Vorbeugen, dass Vordiagnosen schnell zu Vorurteilen werden und führt auch manches Mal zu einer anderen Ansicht.

Das christliche Menschenbild empfinde ich als wesentliche Grundlage, da ich damit dem Gegenüber als einem wertvollen Geschöpf begegen kann, mit dem ich auf Augenhöhe

arbeite und welchem ich mit dem gebotenen Respekt begegnen möchte.

 

Ich denke dies ist eine hinreichend große Abgrenzung zu der Vergangenheit des Gebäudes und setzt tatsächlich so etwas wie einen Gegenpol.

 

Die Ursprünge des Kalmenhofs

 
Der Kalmenhof um 1880. Zu sehen sind noch alle Wirtschaftsgebäude wie auch das zentrale Herrenhaus Stockheimer Hof

Ursprung des Kalmenhofs war der Stockheimer Hof. Das zugehörige Hofgut wurde 1350 gegründet. Die Herren von Stockheim, Burgmannen der Grafen von Nassau, errichteten 1599 das noch bestehende Haupthaus des Hofs. 1661 wurde ein Großteil des Hofguts Stockheim veräußert und mit dem Hofgut Gassenbach verbunden. Im Dreißigjährigen Krieg diente der Stockheimer Hof unter anderem als Zuflucht für Vertriebene. Die Linie der Stockheimer starb 1702 aus. Es folgte eine Reihe von Eigentümern, unter ihnen Geheimrat Johann Henrich von Kalm († 1776), der das Gut 1768 erwarb. Auf ihn ist der heute geläufige Name Kalmenhof zurückzuführen.[7]

Bereits von 1849 bis 1877 war der Kalmenhof mit einer pädagogischen Einrichtung verbunden, als die Kleinkinderschule von Georg Philipp Weldert (1795–1863) dort angesiedelt war. Sie zog später in ein Gebäude am Zuckerberg um.

 

Neuausrichtungen für die Zukunft

Von 1996 an wurden Überlegungen des LWV bekannt, Teile des Kalmenhofgeländes zu veräußern und einem Investor zur Bebauung zu überlassen. Seitens der Stadt Idstein reagierte man mit der Erstellung eines Bebauungsplans für das Kalmenhofgelände, um sich damit ein Mitspracherecht bei der künftigen Gestaltung des Geländes zu sichern.[69] Kernpunkt der Diskussion war eine mögliche Bebauung der Direktorenwiese nördlich des Hauptgebäudes, die die Stadt Idstein als Grünfläche erhalten wollte. Gegen diesen Bebauungsplan reichte der LWV Klage beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof ein, die im Jahr 2011 in der Verhandlung ist.[70]

Am 13. Juli 2004 wurde der Nachfolgebau des Alten Hauses (Stockheimer Hof), das Rudolph-Ehlers-Haus, eingeweiht; es war unter der Leitung des örtlichen Planungsbüros Guckes entstanden.[71] 2006 wurde der Stockheimer Hof an das Planungsbüro Guckes abgegeben. Damit verlor der Kalmenhof sein Gründungsgebäude.

Am 8. Juni 2008 wurde das Loni-Franz-Haus als Ergänzungsbau des Rosenhauses eingeweiht. Es war ebenfalls unter der Leitung des Planungsbüros Guckes gebaut worden.[72] Zu einem schweren Brand in der Gärtnerei kam es am 10. September 2011. Vermutlich infolge von Brandstiftung stand ein Teil des Lagers und der Halle in Brand. Es entstand ein Sachschaden von etwa 50.000 €.[73]

Im September 2011 wurde die Universität Kassel mit einem Forschungsprojekt beauftragt, welches die physischen und psychischen Demütigungen an den Heimen des LWV in den 1950er und 1960er Jahren aufklären soll und unter Leitung von Mechthild Bereswill (Soziologie) und Theresia Höynck (Rechtswissenschaften) steht.[74]

Anfang Mai 2012 löste Harald Beck den bisherigen Geschäftsführer Stephan Köhler ab. Gleichzeitig wurden die Einrichtungen des Vitos pädagogisch-medizinischen Zentrums Wabern mit Ausnahme der dortigen Ausbildungsbetriebe aus Vitos Kurhessen herausgelöst und Vitos Kalmenhof zugeordnet. Die im nordhessischen Wabern angesiedelte Jugendhilfe bleibt als Außenstelle des Kalmenhofs erhalten. Diese Maßnahme dient nach Angabe von Konzerngeschäftsführer Reinhard Belling der Schärfung des Profils als Jugendhilfeeinrichtung.[75]

Vom 1. Januar 2016 an wurden die heilpädagogischen Einrichtungen von Vitos Haina, Vitos Herborn, Vitos Kurhessen, Vitos Weilmünster und Vitos Riedstadt in der Vitos Kalmenhof gebündelt. diese trägt fortan den Namen Vitos Teilhabe und steht unter der Leitung von Edeltraud Krämer.[76]

Im Juli 2016 wurde bekannt, dass Vitos erwägt, dass ehemalige Krankenhaus sowie umliegendes Gelände zu verkaufen. Nicht von den Verkaufsabwägungen betroffen sind das Euthanasiemahnmal sowie das Gräberfeld.[77] Das im Besitz von Vitos Rheingau stehende Krankenhaus steht nicht unter Denkmalschutz.[78] Dies führte zu Diskussionen in der Öffentlichkeit zur weiteren Nutzung

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